Chorsängern und Chorsängerinnen von heute ist der Name Michael Praetorius beinahe ebenso vertraut wie die seiner Zeitgenossen Claudio Monteverdi oder Heinrich Schütz. Sein Satz des Liedes Es ist ein Ros entsprungen begleitet uns jedes Jahr durch die Weihnachtszeit. Im Konzertleben spielt er dennoch eine eher untergeordnete Rolle –und das trotz seines vielfältigen Schaffens. Auch in der musikwissenschaftlichen Forschung steht der Wolfenbütteler Hofkapellmeister auffällig im Hintergrund. Die Gründe sind vielfältig und reichen von weit verbreiteten Zentrum-Peripherie Konzepten bis hin zur Dominanz gewisser Gattungen wie der frühen Oper, zu der Praetorius keinen Beitrag geleistet hat.

Wie lohnenswert die Beschäftigung mit Michael Praetorius aus musikalischer Perspektive sein kann, wird das Ensemble Stimmwerck 2015 auf dem Adlersberg unter Beweis stellen. Dass Praetorius auch aus wissenschaftlicher Perspektive noch einiges hergibt, hat ein Seminar an den Universitäten Augsburg und München im Sommersemester 2015 gezeigt. Die Vielfältigkeit des Organisten, Komponisten, Musiktheoretikers und Instrumentenkundlers gibt einen bemerkenswerten Einblick in das kulturelle Leben des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Zahlreiche scheinbar unumstößliche Konzepte wie die Epochenschwelle zwischen Renaissance und Barock verschwimmen beim Blick auf Praetorius bis zur Unkenntlichkeit.

Im Rahmen des Projektseminars gestalteten die Studierenden nicht nur Vorträge und Referate, sie beschäftigten sich auch praktisch mit Musik und Tanz rund um den Wolfenbütteler Hof. Diese Erfahrungen fanden Eingang in die Workshops, die das Seminar für die Stimmwercktage vorbereitet hat, aber auch in die Einführungstexte die die Studierenden zu Michael Praetorius und seiner Zeit verfassten, und die sie hier finden können. Ganz bewusst liegt der Anspruch nicht auf Vollständigkeit, sondern darauf, schlaglichtartig einige Einzelaspekte vertiefend in den Blick zu nehmen und so emphatisch einen Einblick ins Musikleben um 1600 zu ermöglichen.

Moritz Kelber


Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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